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Geschichte der Johannes-Maass-Schule Wiesbaden

Die nunmehr 50-jährige Geschichte der Johannes-Maaß-Schule ist auf das Engste verbunden mit der Entwicklung der Schulen in Wiesbaden nach dem Zweiten Weltkrieg allgemein und mit den Visionen im pädagogischen Werk des Namensgebers Johannes Maaß. In seinem Sinne werden an der Johannes-Maaß-Schule seit 1960 Jungen und Mädchen aus Wiesbaden erfolgreich auf die Herausforderungen des Lebens vorbereitet. Von Anfang an und bis heute stehen dabei, neben den typischen Unterrichtsinhalten, Sport, Musik, Kunst und die Gemeinschaft selbst im Mittelpunkt der Arbeit an der Johannes-Maaß-Schule.

Schule im Schichtbetrieb – Schulraumnot in Wiesbaden

Die Situation der Schulen in Wiesbaden nach 1945 war von einer akuten Raumnot geprägt. Allerorten fehlte es an geeigneten Klassenräumen. Die Ursachen hierfür sind vielschichtig. Ein wesentlicher Grund für den Schulraummangel war das Bevölkerungswachstum, das mit einem Anwachsen der Schülerzahlen einher ging. Geburtenstarke Jahrgänge wurden eingeschult und die zahlreichen Kriegsflüchtlinge siedelten sich mit ihren Kindern in Wiesbaden an.

Ein zweiter Grund für den Schulraumnotstand in Wiesbaden, der sich über alle Schultypen erstreckte, war ein Investitionsstau, der bis zum Anfang des Ersten Weltkriegs zurückreichte: „Man dürfe […] nicht vergessen, dass in Wiesbaden 40 Jahre lang keine neue Schule gebaut worden sei“, so das Wiesbadener Tagblatt. Besonders deutlich wird die Schulraumnot, wenn man die Schülerzahlen in Wiesbaden und ihre Veränderung im Laufe der Jahre betrachtet: Mussten im Stadtgebiet Wiesbaden im Schuljahr 1938 / 1939 22.263 Kinder unterrichtet werden, waren dies im Mai 1956 40.164, was einen Anstieg von 80,4 % bedeutete. Auch die Zahl der Grundschüler entwickelte sich in ähnlicher Form: Von 1938 bis 1949 stieg ihre Zahl in Wiesbaden von 12.785 auf 22.105. Diese Zahl sollte, so Schätzungen des Wahlamtes, zwar in den Jahren bis 1965 wieder leicht abnehmen, doch reichte der Bestand an Schulräumen bei weitem nicht aus, um selbst die absinkende Schülerzahl unterrichten zu können.

Um die Schulnot zu mildern, wurde 1955 von der Stadtverwaltung Wiesbaden in Zusammenarbeit mit dem Statistischen Amt der Landeshauptstadt ein Programm aufgelegt, das zahlreiche Schulneubauten, aber auch mehrere Neubauten von Turnhallen, fördern sollte. Diese Mitte der 1950er Jahre festgelegte Planung umfasste, wie es der damalige Stadtrat Drebert formulierte, den gesamten Bedarf kommender Jahrzehnte, so dass auf jeden Fall der Bedarf an Schulen in Wiesbaden zumindest bis Ende der 1960er Jahre gedeckt sei.

An anderer Stelle war man bei den Planungen nicht so zuversichtlich. Beim Städtischen Schulamt sprach man sogar davon, dass die Neubauten, die bis Ende der 1950er Jahre entstehen sollten, bei weitem nicht den Bedarf an Schulen in Wiesbaden abdeckten. Nach Einschätzung des Städtischen Schulamtes müsse für ca. 4.000 bis 6.000 Menschen je eine Volksschule geplant werden. Bei einer Einwohnerzahl von rund 250.000 seien dies 42 Volksschulen für Wiesbaden. 1959 waren jedoch nur 32 Schulanlagen vorhanden, so dass man über die zwei vor der Eröffnung stehenden Schulen – die spätere Johannes-Maaß-Schule und die Volksschule in Wiesbaden-Kohlheck – mehr als dankbar war. Gleichzeitig verwies man aber auch auf weiteren Baubedarf von rund acht Schulen in den kommenden Jahren, wenn man modernen Standards in Wiesbaden gerecht werden wolle.

Besonders deutlich wird die Situation der Wiesbadener Schulen an dem Beispiel der Lehrstraßen-Schule (heute Anton-Gruner-Schule), die später zahlreiche Schüler und Lehrer an die Johannes-Maaß-Schule abgab: In der ersten Hälfte der 1950er Jahre wurden dort 1.600 Jungen und Mädchen unterrichtet, doch die 35 Klassen der Schule waren in nur 25 Klassenräumen untergebracht. Dies entsprach einer Klassengröße von über 40 Schülern, was in Wiesbaden eine durchaus übliche Größe war, wie der Verwaltungsbericht der Stadt aus der Zeit zeigt. Erst Ende der 1950er Jahre erfolgte durch zahlreiche Schulneubauten eine leichte Entlastung, als noch durchschnittlich 37 Kinder eine Klasse besuchten. Ganztags- oder Schichtunterricht – seit dem 1. April 1956 auch an der Lehrstraßen-Schule – waren in dieser Situation völlig selbstverständlich. Genauso normal war die zeitweise Auslagerung von Klassen in die Hauswirtschaftliche Schule an der Bleichstraße, die sogar außerhalb des Schulbezirks der Lehrstraßen-Schule lag. Insgesamt war die Zahl der vorhandenen Räume an der Lehrstraßen-Schule, wie an vielen anderen Schulen in Wiesbaden, Mitte der 1950er Jahre noch völlig unzureichend.

Daneben bestand in den vorhandenen Räumen dringender Renovierungsbedarf. Tische und Bänke waren stark abgenutzt, so dass die Kinder ihre Kleider daran beschädigten, die Schränke in den Klassenzimmern waren alte Wehrmachtspinde und aktuelles Unterrichtsmaterial war nur in sehr beschränktem Maße vorhanden.

Insgesamt brachte das Schulbauprogramm der Stadt Wiesbaden schon im Laufe der 1950er Jahre eine deutliche Verbesserung, doch noch Ende der 1950er Jahre, als das Ausbauprogramm der Stadt Wiesbaden schon mehrere Jahre lief, musste noch immer an zwei Schulen Schichtunterricht und an vier Schulen Nachmittagsunterricht erteilt werden.

Zwar kam es durch die Einschulung geburtenschwächerer Jahrgänge und den raschen Ausbau des Schulsystems in Wiesbaden zu einer Abmilderung der Situation, doch erst mit der Einweihung der Johannes-Maaß-Schule, die als „Schule an der Kantstraße“ mit Gesamtkosten in Höhe von 2.150.000 DM eingeplant war, wurde das Schulausbauprogramm der Stadt Wiesbaden vorübergehend abgeschlossen, so dass 1960 der Schichtunterricht an der Lehrstraßen-Schule – und damit auch in ganz Wiesbaden – entfallen konnte.

Neue Zeiten, neue Ideen – Schulreformbestrebungen nach 1945

Neben den akuten Problemen vor Ort in Wiesbaden dachte man in Hessen seit Ende des Krieges über eine Reform des Schulsystems nach. Kern der Diskussion war, der Weg, auf welchem ein zukunftsfähiges Schulsystem zu gestalten sei, das sowohl methodisch als auch inhaltlich den Bedürfnissen der Nachkriegszeit gerecht wurde. Schon damals wurde die Trennung der einzelnen Schularten infrage gestellt und hinterfragt, ob es nicht den Schülern selbst anheim gestellt werden sollte, über die Art und Weise ihrer Schulbildung zu entscheiden.

So progressiv wie die oben geschilderte Position von Bildungstheoretikern war die Landespolitik jedoch nicht. Fraktionen übergreifend war man sich zumindest einig, dass die „Volksschule […] keine Vorschule, sondern Teil des Schulsystems [sei]“ . Und weiter wurde dringlich davor gewarnt, der Volksschule ihre Kernstellung im Bildungssystem Hessens zu nehmen, denn sie sei nicht lediglich Vorschule einer höheren oder mittleren Schule sondern eine eigenständige Einrichtung. Vor diesem Hintergrund dürfe, so die einhellige Meinung der Politiker damals, nicht vergessen werden, dass die Volksschulen in Hessen besser gestellt werden müssten. Sie bildeten schließlich das Rückgrat des Schulsystems insgesamt und garantierten ganz im Sinne von Johannes Maaß, dass Schüler auf höheren Schulen ihr Bildungsziel erreichten. Deshalb war es auch nicht verwunderlich, dass gerade in Wiesbaden ein besonderes Augenmerk auf den Ausbau der Volksschulen gelegt wurde.

Eine weitere Neuerung der 1950er Jahre waren das freiwillige 9. Schuljahr und die Einführung von Schulkindergärten in Hessen. Zum Schulbeginn an Ostern 1957 wurde in ganz Hessen das freiwillige 9. Schuljahr eingeführt. In Wiesbaden hatten sich etwa 100 Jungen und Mädchen zu diesem Versuchsjahr angemeldet. Sie wurden in drei gemischten Klassen an der Knabenschule in der überfüllten Lehrstraße unterrichtet. Die Schüler und Schülerinnen sollten im Rahmen dieses freiwilligen Schuljahres mit 31 Unterrichtsstunden pro Woche in allen wesentlichen Fächern weiter qualifiziert werden, um auf das Berufsleben besser vorbereitet zu sein.

Im Januar 1957 wurden in Wiesbaden erstmals so genannte Schulkindergärten eingeführt. Sie sollten vom Schulbesuch zurückgestellten Kindern durch Spiel und Beschäftigung helfen, in ihrer natürlichen Entwicklung schneller voran zu kommen. In den Schulkindergärten erhielten die Kinder auch „kostenlos ein Milchfrühstück mit Zwieback“.

Die Entstehung der Johannes-Maaß-Schule als Teil des Schulbauprogramms der Stadt Wiesbaden

Wiesbaden baut – die Johannes-Maaß-Schule als Teil des Schulbauprogramms der Stadt

Als am 12.08.1957 der Bau der der Johannes-Maaß-Schule begonnen wurde, waren der spätere Nutzen und die große Bedeutung des Schulneubaus für die Schullandschaft in Wiesbaden offensichtlich, denn bereits im Volksschulbauprogramm der Stadt vom Vorjahr konnte man lesen: „In dem Volksschulgebäude an der Lehrstraße sind 15 Klassen ohne eigenen Klassenraum. Die in der Schule an der Lehrstraße untergebrachten zwei Schulsysteme (ein Mädchen- und ein Knaben-System) müssen wegen der Raumschwierigkeiten im Schichtunterricht betreut werden. Der Schulneubau an der Kantstraße soll diese Verhältnisse ausgleichen. Er wird voraussichtlich Klassen aus den Volksschulen an der Kastellstraße und an der Riederbergstraße übernehmen, so dass auch dort räumliche Entlastung eintritt. Das neue Schulgebäude an der Kantstraße bildet einen Ersatz für die im Krieg schwer beschädigte Schule an der Stiftstraße, die nicht mehr aufgebaut wurde, sondern an ein Industrieunternehmen übergegangen ist.“ Inklusive aller Vorarbeiten sollte in den Jahren 1956 bis 1959 an der Schule gearbeitet werden. Die Baukosten wurden zwischen Land und Stadt geteilt: 1.124.000 DM sollten aus Staatsbeihilfen und 1.026.000 DM von der Stadt Wiesbaden aufgebracht werden.

Im Jahr 1959 berichtete der Wiesbadener Kurier unter dem Schlagwort „Schulbau wird auch 1959 groß geschrieben“, dass auch weiterhin ein besonderer Schwerpunkt der städtischen Planungen auf den Schulneubau gelegt werde. Die verschiedenen angefangenen Vorhaben – hierzu gehört auch die Johannes-Maaß-Schule – so der Wiesbadener Kurier weiter, sollen schnell und mit Nachdruck fortgesetzt werden. Ziel sei es, möglichst schnell zu einem Abschluss aller genehmigten Bauvorhaben zu kommen.

Neue Schulbezirke

Neben den Gebäuden mussten auch die organisatorischen Rahmenbedingungen für die neue Schule geschaffen werden, da die Johannes-Maaß-Schule ab Herbst 1959 auch organisatorisch in das System der Schulen in Wiesbaden einzubinden war. Insgesamt sind durch eine einzige neue Schule Änderungen notwendig geworden, die 4.000 Jungen und Mädchen betrafen. Wesentlicher Vorteil der neuen Organisation war, dass der Schichtunterricht an der Lehrstraße entfallen konnte. Ein weiterer Vorteil war, dass fast alle der 4.000 betroffenen Kinder einen kürzeren oder zumindest gleichlangen Schulweg hatten und weniger verkehrsreiche Straßen überqueren mussten. Zudem konnte durch die Neuorganisation der Schulbezirke eine geringere Schülerzahl pro Klasse erreicht werden.

Der Schulbezirk der Johannes-Maaß-Schule wurde anfangs aus den Teilen der Lehrstraßen-, Kastellstraßen-, Riederberg- und Schumann-Schule gebildet: „Seine Grenzen verliefen mitten durch die Freseniusstraße, Friedrich-Otto-Straße, Kapellenstraße, Abgang nach der Taunusstraße, Taunus-, Röder-, Adler-, Keller-, Kastell-, Platter-, Ludwig-, Gabelsberger-, Philippsberg-, Rot-, Riederberg-, Dannecker- und Schützenstraße sowie Carl-von-Ibell-Weg“, berichtete das Wiesbadener Tagblatt damals.

Bschlossene Sache – Eine Schule an der Kantstraße soll gebaut werden

Eine erste Beschlussfassung zum Bau der Johannes-Maaß-Schule erfolgte in der Sitzung des Bau- und Haushaltsausschusses des Schulvorstandes der Landeshauptstadt Wiesbaden am 26. Mai 1956. Einstimmig stellten die Anwesenden fest, dass der Tagesordnungspunkt „Bau der Entlastungsschule für die Volksschulen an der Lehrstraße“ auf die Tagesordnung aufzunehmen sei. Als Grundlage der weiteren Diskussion schlug Stadtrat Drebert vor, eine zusätzliche Schule am Schulberg zu errichten. Hierzu sollte die damals an gleicher Stelle existierende Werkkunst-Schule von dort verlegt werden. Insgesamt fehlten, so Schulrat Ficke, für 760 Kinder Schulräume. Dies entspräche etwa 19 Klassenräumen, von denen 15 auf die Lehrstraßenschule, 3 auf die Schule an der Kastellstraße und einer auf die Schule am Riederberg entfielen. „Durch den Neubau einer 20-klassigen Volksschule in diesem Schulbezirk würde nur der zur Zeit fehlende Raumbedarf gedeckt, nicht aber der durch weitere Schülerzugänge entstehende Raumbedarf“, ergänzte Ficke jedoch skeptisch.

Rasch wurde aber der Standort Schulberg verworfen, da das Gebäude dort nicht ausreichend Platz bot, und der Standort Kantstraße, der auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei ein besseres Potential für einen Schulneubau bot, vorgezogen. Die endgültige Genehmigung für den 1. Bauabschnitt an der Kantstraße erfolgte am 24.07.1957 durch den Regierungspräsidenten in Darmstadt.

Johannes-Maaß-Schule – Der richtige Name für die neue Schule

War in der anfänglichen Planung der Schule immer von der „Schule an der Kantstraße“ oder von der „Volksschule am Todtenhof“ die Rede, kam schon vor der Einweihung der Schule die Idee auf, der neuen Bildungseinrichtung einen besonderen Namen zu verleihen: „Entsprechend eines Anfang 1958 vom Magistrat und der Stadtverordneten-Versammlung gefassten Beschlusses wird sie den Namen des ehemaligen Schuldezernenten Johannes Maaß tragen und Johannes-Maaß-Schule heißen“, so der Verwaltungsbericht der Stadt aus dem Jahr 1958.

An anderer Stelle, in der Chronik der Schule, wird berichtet, dass der protestantische Geistliche Pfarrer Metzler 1959 in der Schuldeputation der Stadt den Antrag stellte, die Schule an der Kantstraße nach Johannes Maaß zu benennen. Seine Begründung lautete kurz und knapp: „Johannes Maaß war kein ´Christ der Worte´, aber alle seine Handlungen erschienen mir immer wie das lautere, ´verwirklichte Christentum´“.

Kurz nach der Einweihung der Schule beklagte das Hoch- und Maschinenamt der Stadt Wiesbaden, dass zu viele Schreibweisen des Schulnamens kursierten. Insgesamt konnten zehn verschiedene Schreibweisen identifiziert werden und gerade im Umgang mit der Öffentlichkeit wäre es wichtig, die richtige Schreibweise zu kennen. Weder Johannes-Mahs-Schule, noch Johannes-Maß-Schule oder gar Kantschule wären richtig, einzig Johannes-Maaß-Schule sei zu verwenden.

Damit war die Johannes-Maaß-Schule eine der ersten Schulen in Wiesbaden, die nach einer Person benannt war. Erst im Juni 1963 wurde einer großen Zahl von Schulen in Wiesbaden neue Namen verliehen.

Jetzt geht es los – Der erste Spatenstich

Das Jahr 1957 stand voll und ganz im Zeichen der Bauarbeiten an der Kantstraße: Bereits am 20. Februar 1957 konnte sichergestellt werden, dass die erforderlichen Baugelände für den Schulneubau an der Kantstraße zur Verfügung stehen würden, so das Baudezernat in einem Brief an den Schuldezernenten der Stadt Wiesbaden.

Die Einschätzung der städtischen Behörden, dass kurze Zeit später, nämlich schon am 1. März 1957, mit dem Bau begonnen werden könne, traf jedoch nicht zu. Am 12. August 1957 ging es dann aber endlich los. Und auch von amtlicher Seite wurde den Schulbehörden mitgeteilt, dass „die Arbeiten an der Schule an der Kantstraße […] am 13.08.1957 begonnen worden [sind] (Baustelleneinrichtung, Absteckung, Antrag der Höhen u. dgl.)“. Mit der Bauausführung wurde das Bauunternehmen Heinrich Assmus, welches auch schon das Kurhaus in Wiesbaden errichtet hat, betraut.

Doch nur ein halbes Jahr später, im Februar 1958, kamen kurzfristige Zweifel auf, ob der Schulbau auch beendet werden könne: Weder die Finanzierung durch die Stadt und das Land war vollständig gesichert, noch war sichergestellt, dass der Grundbesitz, auf dem der zweite Bauabschnitt der Schule entstehen sollte, im Besitz der Stadt Wiesbaden war. Die Arbeiten wurden aber dennoch ohne Aufschub erst einmal fortgesetzt.

Ein Dach über dem Kopf – Richtfest der Johannes-Maaß-Schule

Doch schon kurz nachdem Bedenken über die Fertigstellung der Schule aufkamen, konnten sie durch die Fakten, die der rasche Baufortschritt schaffte, auch schon wieder zerstreut werden.

Bereits am 12. März 1958 wurde das Richtfest der späteren Johannes-Maaß-Schule gefeiert. Zwar stand zu diesem Zeitpunkt nur das Hauptgebäude im Rohbau, doch konnten die Leser der Wiesbadener Lokalpresse bereits erfahren, dass neben den acht Klassenzimmern im Hauptgebäude, eine Lehrküche, ein Werkraum, Verwaltungsräume und eine Hausmeisterwohnung sowie drei weitere Pavillons geplant sind, die jeweils aus vier Klassen und zwei Arbeitsräumen bestehen sollten. Besonders hervorgehoben wurde von der gesamten Presse die „ideale Lage“ der neuen Schule und die Schulexperten nannten die Johannes-Maaß-Schule „ein gutes Zeichen dafür, dass die Jugend mit freiem Blick in eine gute Zukunft blicken könne“. Allerorten war man voller Lob für die fortschrittliche Bauweise der Schule und selbst die schreibende Zunft schloss sich uneingeschränkt Stadtschulrat Drebert an, der nicht müde wurde zu betonen, dass die Stadt Wiesbaden im Bau neuer Schulen vorbildlich sei und mit der Johannes-Maaß-Schule seit 1948 bereits die elfte und auch fortschrittlichste Schule in der Stadt errichtet worden sei.

Zum Richtfest selbst wurde ein Fest in der Gaststätte des Kleinfeldchen-Schwimmbades veranstaltet. Über 100 Teilnehmer, allen voran die Handwerker, das Architektur- und Ingenieurbüro, aber auch der Bauherr und die Presse sowie weitere Gäste feierten ausgiebig das neue Bauwerk. Umrahmt von einer Drei-Mann-Kapelle hielten zahlreiche Ehrengäste, unter ihnen der Oberbürgermeister Dr. Mix, die Vertreter der Baubehörden und die Vertreter der städtischen und staatlichen Schulbehörden sowie die Vertreter der Handwerker und des ausführenden Bauunternehmens kleine Ansprachen und stellten die besondere Bedeutung der neuen Schule heraus.

Baufortschritt

In zügigen Schritten ging der Bau dann weiter, so dass von amtlicher Stelle bereits Ende Januar 1959 recht präzise festgelegt werden konnte, wann die Schule ihrer Bestimmung übergeben werden sollte: „Hauptbau und zwei Pavillon-Bauten können am 01.10.1959 in Benutzung genommen werden. Der dritte Pavillon wird bis dahin im Rohbau vollendet sein; der Innenausbau wird später durchgeführt. Das bedeutet, dass zunächst nur 17 Klassenräume zur Verfügung stehen. Notfalls müssen für den Übergang die Sonderräume benutzt werden. Der Hofraum ist bis dahin im gebrauchsfertigen Zustand.“ Nur wenige Tage später wurde dann ohne Wenn und Aber festgelegt, dass „Hof und Schule […] am 01.10.1959 in Gebrauch genommen werden [sollen], jedoch ohne den letzten Pavillon“.

Dass kein Mensch mehr daran zweifelte, die Johannes-Maaß-Schule nach Plan vollständig auszubauen, zeigt die Genehmigung des Bauantrages für die restlichen Pavillons, die am 16. Juli 1958 erfolgte. Doch verzögerten einige Schwierigkeiten den Baubeginn des zweiten Bauabschnitts. Waren es anfangs die Besitzverhältnisse der Grundstücke, standen nun Bedenken der Bauaufsichtsbehörde wegen des Grundwasserstandes und der Sicherheit der Schüler auf dem Freigelände einer schnellen Fertigstellung des Bauwerks entgegen. Diese Probleme konnten jedoch schnell und unbürokratisch aus dem Weg geräumt werden, da alle betroffenen Stellen am raschen Fortgang der Arbeiten interessiert waren. Wie groß die Vorfreude auf die neue Schule war, zeigt ein Bericht im Wiesbadener Kurier, der schon knapp drei Monate vor Eröffnung Details über die Belegung der Schulen zu vermelden wusste: In den insgesamt 20 Klassenräumen werden, so die Einschätzung des Wiesbadener Kurier damals, 19 Klassen mit insgesamt 676 Jungen und Mädchen einziehen. Die durchschnittliche Klassenstärke würde dann 35,6 Schüler betragen, was deutlich unter dem damaligen Durchschnitt in Wiesbaden lag. Am 27. August 1959 konnten die Wiesbadener dann in der regionalen Presse schon weiterreichende Informationen finden: Im Oktober solle das neue Gebäude der Johannes-Maaß-Schule zumindest zum Teil eröffnet werden. Und auch die Frage, was an der Schule so besonders sei, wurde nochmals ausführlich dargestellt: Auffällig sei die großzügige Planung der neuen Schule. Besonders hob die Presse dabei hervor, dass das ganze Schulgelände stufenförmig angelegt sei. Die einzelnen Pavillons bildeten eine „Riesentreppe, die wohl selbst für den sagenhaften Gulliver im Lande Lilliput noch zu groß gewesen wäre“. Weiteres auffälliges Merkmal der Johannes-Maaß-Schule seien die von dem Maler Rudolf Weber geschaffenen Mosaike an den Außenseiten des Hauptgebäudes und der Pavillons. Sie sind bis zum heutigen Tag ein Blickfang und stellen Themen aus der Natur und den Geisteswissenschaften dar: Neben Schachtelhalmbäumen, einer Schnecke, einem Fisch, einer Feuersäule und Kometen werden auch die Themen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft symbolisch dargestellt. Und obwohl dieser noch nicht fertig gestellt war, wurde auch schon ausführlich über die im Bauabschnitt zwei zu bauenden Gebäude berichtet: In den einzelnen Pavillons finden sich quadratische Klassenräume, die mit ihrer von Licht durchfluteten Atmosphäre zum Lernen einladen. Überall finden sich farblich gestaltete Elemente und alle Klassenräume sind in bunten Farben gestaltet, was für die damalige Zeit eine absolute Neuigkeit war. Nicht umsonst stellt die Wiesbadener Presse schon direkt bei der Eröffnung fest: „Die neue Schule wird gefallen – Lehrern und Schülern“.

Der Termin für die Fertigstellung des ersten Bauabschnitts der Johannes-Maaß-Schule wurde auf den 31. August 1959 festgelegt. An diesem Tag sollte durch das Schuldezernat der Stadt der genaue Übergabetag bestimmt werden. Zu diesem Tag sollten auch alle Arbeiten an der Außenanlage abgeschlossen sein, da die Bedenken bezüglich der Sicherheit der Schüler auf dem Schulgelände ernst genommen wurden. Die Übergabe an den Bauträger sollte dann am 1. Oktober 1959 erfolgen, jedoch noch ohne die drei Pavillons. Ihre Fertigstellung erfolgte zu einem späteren Zeitpunkt.

Die tatsächliche Übergabe an das Schulamt erfolgte dann am 16. Oktober 1959. So lagen nur vier Tage zwischen der Übergabe an das Schulamt und dem Einzug der ersten Schüler an der Johannes-Maaß-Schule am 20. Oktober 1959, dem ersten Schultag nach den Herbstferien.

Der große Tag, erster Teil – Die Johannes-Maaß-Schule wird teilweise bezogen

Mit schulischem Leben erfüllte sich der neue Bau an der damaligen Kantstraße erstmals am 20. Oktober 1959.

An diesem Tag bezogen vier Oberstufenklassen der Volksschulen an der Lehrstraße, insgesamt 259 Jungen und Mädchen, die acht Unterrichtsräume des Hauptgebäudes der Johannes-Maaß-Schule. Als erster Rektor der neuen Schule wurde Arthur Merz in sein Amt eingeführt. Er kam, wie alle Schüler und wie alle anderen Lehrer der ersten Stunde, von der Lehrstraßen-Schule. Alle Lehrer wurden – aufgrund der noch recht wenigen Schüler an der Johannes-Maaß-Schule – anfangs an beiden Schulen, d.h. sowohl der Johannes-Maaß-, als auch der Lehrstraßen-Schule, eingesetzt.

Doch wie ging die Inbesitznahme der Schule durch die Schüler vonstatten? Am 21. Oktober 1959 vermeldete das Wiesbadener Tagblatt hierzu, dass „die Jungen und Mädchen […] die Johannes-Maaß-Schule recht vorsichtig in Besitz [nahmen]“. Wie die Zeitung weiter berichtete, ließen sich die Schüler, die sich vor der Schule freiwillig nach Klassen sortiert aufgestellt hatten, gern in ihre Klassenräume führen und waren „recht aufmerksam und andächtig“ vor lauter „Wundern und Staunen“ über die neue Schule. Dass es wirklich etwas zu bestaunen gab, wird in der Berichterstattung schnell deutlich. Besonders hervorgehoben wurden wieder einmal die großzügigen Unterrichtsräume und die Pausenhöfe der Johannes-Maaß-Schule, denn in der Lehrstraße konnten sich die Kinder während der Pausen kaum bewegen, so ein Lehrer. Und so resümierte das Wiesbadener Tagblatt: „Wenn auch manches noch fehlt und die anderen drei Pavillons noch nicht fertig sind, so sind doch Lehrer und Schüler der Johannes-Maaß-Schule stolz auf den prächtigen Schulbau, den sie gestern bezogen“. Eine große Einweihungs-Feier gab es jedoch nicht, da das Gesamtbauwerk noch nicht vollendet war.

Wie stark die Johannes-Maaß-Schule zur Milderung der Schulraumnot in Wiesbaden beitrug, wird bei einem Blick auf die Lehrstraßenschule deutlich. In den Jahresberichten der Lehrstraßenschule an das Schulamt klingt zum einen große Erleichterung, zum anderen auch ein gutes Stück Wehmut mit. Aus Sicht der Lehrstraßen-Schule „verfügte das Schulamt die ´Auslagerung´ von je vier Oberstufenklassen der Mädchen- und der Knabenschule gegen Ende der Herbstferien zur Johannes-Maaß-Schule“. Dies „gestattete es, den bisherigen jahrelangen Schichtunterricht für die verbleibenden 21 Klassen zu beenden“. Nach zehn Jahren Schichtunterricht hatte nun wieder jede Klasse ein eigenes Klassenzimmer im alten Schulbau an der Lehrstraße. „Von Seiten der Elternschaft kamen keinerlei Einsprüche gegen diese Maßnahme“, was auch nicht verwunderlich sein dürfte. Welche Last von der Schule genommen wurde, wird deutlich, wenn man die Häufigkeit betrachtet, mit der das Thema angesprochen wurde. Nahezu in jedem Satz des Berichts wurde besonders betont, dass „die Aufhebung des Schichtunterrichts im Herbst des Berichtsjahres von […] Eltern, Schülern und Lehrern lebhaft begrüßt und allgemein anerkannt [wurde]“. Selbst der Verwaltungsbericht der Stadt stellte für seine Verhältnisse sehr emotional fest: „Die Johannes-Maaß-Schule brachte eine wesentliche Entlastung für die Volksschulen in der Innenstadt.“

Nur ein einziger Punkt fiel negativ ins Gewicht: Insgesamt scheint es so, dass 1959 und 1960 nur ein geringes Interesse am neu eingeführten freiwilligen neunten Schuljahr bestand. Dies ist auch nicht verwunderlich, betrachtet man sich die wirtschaftliche Lage in Deutschland am Ende der 1950er Jahre, mitten im Wirtschaftswunder. So musste es also vorerst fraglich bleiben, ob man – neben den vier Mädchen- und drei Jungenklassen – dauerhaft mit einer gemischten neunten Klasse an der Johannes-Maaß-Schule rechnen konnte. Dabei war die Johannes-Maaß-Schule eine von nur drei Schulen in Wiesbaden, die das seit Ostern 1959 auch in Wiesbaden angebotene neunte Schuljahr einrichtete – und das von Anfang an.

Zweiter Bauabschnitt

Der zweite Bauabschnitt beinhaltete die Fertigstellung der drei Pavillons hinter dem Hauptgebäude. Wann dieser Bauabschnitt genehmigt wurde, kann nicht sicher gesagt werden. Doch bereits im September 1959 konnten die Wiesbadener in der Tageszeitung lesen, dass der weitere Ausbau der Johannes-Maaß-Schule zügig voranschreitet. Dies war auch nicht verwunderlich, da aufgrund damals reichlich vorhandener staatlicher und städtischer Gelder der Bau zahlreicher Turnhallen an Schulen und die Fertigstellung unter anderem der Johannes-Maaß-Schule voran getrieben wurde. Formal wurde der Beschluss der kompletten Fertigstellung der Schule am 25. September im Magistrat der Stadt Wiesbaden gefällt. Hier wurde auch festgelegt, dass die Auftragserteilung an die Bauhandwerker so schnell wie möglich stattfinden solle.

Nach den Herbstferien 1959, so die Fehleinschätzung der lokalen Presse, sollten bereits die Gebäude des zweiten Bauabschnitts ihrer Bestimmung übergeben werden. Hierbei handelt es sich um zwei der drei Pavillons. Der dritte Pavillon sollte dann bis Ostern 1960 vollendet werden. Letztendlich wurden alle drei Pavillons aber erst zur offiziellen Einweihungsfeier fertig.

Der große Tag, zweiter Teil – Die Johannes-Maaß-Schule wird endgültig bezogen

Der große Tag der Einweihung kam am 27. Februar 1960. Kurz und knapp fasst der Verwaltungsbericht der Stadt Wiesbaden die Ereignisse um die Johannes-Maaß-Schule im Herbst 1959 und im Frühjahr 1960 zusammen: „Am 27. Februar 1960 ist die 20-klassige Johannes-Maaß-Schule an der Kantstraße in Anwesenheit des hessischen Ministers für Erziehung und Volksbildung festlich eingeweiht worden.“ Die Einladung zu diesem wichtigen Ereignis erhielten die zahlreichen Ehrengäste zwar erst am 19. Februar, aber immerhin durch persönliche Einladung von Oberbürgermeister Buch.

So sachlich wie im Bericht der Verwaltung geschildert, war die Einweihungsfeier nicht. Sie zeigte vielmehr schon deutlich, was die Johannes-Maaß-Schule in den folgenden Jahren so besonders und unverwechselbar machen sollte.

Angefangen hat es bereits damit, dass der Tag der Einweihung mit Bedacht gewählt wurde: Der 27. Februar ist der Geburtstag des Wiesbadener Stadtrates und Namensgebers für die Schule Johannes Maaß und trotz der sehr späten Einladung kamen zahlreiche Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft, viele langjährige Weggefährten des Namensgebers der Schule, ebenso wie die Familie Maaß selbst. Die Liste der Anwesenden liest sich wie ein Who-is-who der Wiesbadener Gesellschaft der späten 1950er Jahre und das Wiesbadener Tagblatt stellte deshalb kurz und knapp fest: Die Feier fand „im Beisein von Vertretern der Landesregierung, des Regierungspräsidenten, der Fraktionen des Stadtparlaments, der Stadtverordneten-Versammlung, des Magistrats, des Gemeindeschulvorstands, des Stadtelternbeirats, beider Kirchen und vieler anderer Gremien statt. Besonderer Ehrengast war die Witwe des verstorbenen Namensgebers. Sie war mit ihren Kindern zur Feierstunde erschienen.“

In seiner Festansprache betonte Kultusminister Prof. Dr. Ernst Schütte, dass der Ausbau der heutigen Volksschule zu einer Hauptschule erfolgen müsse. Die Hauptschule sei eine konsequente Fortführung des Gedankens, den Johannes Maaß formuliert hatte, doch auch die Volksschule sei nicht zu vergessen. Sie sei die Basis des gesamten Bildungswesens. Besonders gab Prof. Schütte seiner Freude Ausdruck, dass die Gattin des Namensgebers zu diesem feierlichen Anlass anwesend war. Mit Stolz und Genugtuung könne sie auf das Werk ihres Mannes blicken. Bereits im baulichen Konzept der Johannes-Maaß-Schule seien wesentliche Elemente des pädagogischen Konzepts des Namensgebers umgesetzt worden.

Als Weggefährte und Parteifreund von Johannes Maaß zeichnete der damalige Oberbürgermeister Georg Buch den Lebensweg des Namensgebers der Schule detailliert nach. Er verwies zuerst auf das historische Datum, den Tag des 78. Geburtstags des Namensgebers. Besonders stellte er aber die Verdienste von Johannes Maaß für das Schulwesen der Stadt Wiesbaden heraus. Er würdigte Maaß als einen Vorkämpfer für Reformen im deutschen Schulwesen sowie als Gründer der Volkshochschule und der Werkkunstschule.

Den Dank der Bürgerschaft für die neue Schule überbrachte im Anschluss Stadtverordnetenvorsteher Fuchs.

Alle weiteren Redner des Tages betonten ebenfalls die Bedeutung von Johannes Maaß für das Schulwesen der Stadt Wiesbaden sowie die dringende Notwendigkeit des Schulneubaus. Weiterhin wurde von allen Rednern die Modernität der neuen Schule gelobt und besonders herausgestellt, dass die Johannes-Maaß-Schule einen wichtigen und abschließenden Baustein in der Umsetzung der Schulplanung in Wiesbaden bildete.

In seinen abschließenden Worten fasste es Rektor Merz, wohl allen Schülern und Lehrern aus dem Herzen sprechend, kurz zusammen: „Wir sind glücklich, dass mit dieser herrlichen Schule die bedrückende Enge und Schulraumnot in diesem Stadtteil, die an die Lehrkräfte besondere Anforderungen stellte, nun ein Ende hat“. Schon zur Einweihung war es selbstverständlich, dass auch die Schüler beteiligt waren. Mit einem Schulchor, einer Blockflötengruppe und Gedichten, die von Schülern vorgetragen wurden, wurde die Veranstaltung umrahmt.

Auch aus der Berichterstattung der Zeitungen über die Schuleröffnung wird deutlich, dass die Johannes-Maaß-Schule eine besonders moderne und Maßstäbe setzende Schule war. Das ging schon beim Pausengong los, wie es das Tagblatt feststellte, denn eine klassische Pausenglocke gibt es an der Johannes-Maaß-Schule nicht mehr. Vielmehr erinnerte ein elektrisches Summen Schüler und Lehrer an die Pausenzeiten. Die Möbel, an denen die Schüler lernen sollen, bestanden aus Zweiertischen und einzelnen Stühlen, was für die damalige Zeit durchaus ungewöhnlich war. Daneben gehörten Schränke, Schreibtische für die Lehrer und Regale für die kleinen Dinge des Unterrichts zur Standardausstattung der Klassenräume. In allen Räumen gab es Vorhänge, die vor der Sonne schützen sollten und im Obergeschoss gab es sogar Verdunkelungseinrichtungen, die bei Dia-Vorträgen oder Filmvorführungen genutzt werden konnten. Daneben gab es an der Johannes-Maaß-Schule von Anfang an schon eine Schulküche, der sich ein Speiseraum für die Schüler anschloss. Ein Arzt- und ein Schwesternzimmer gehörten genauso zur Ausstattung der neuen Schule wie ein Zimmer für die Lehrer und den Rektor sowie ein Raum für einen Schulkindergarten. Da die Schule noch keine eigene Turnhalle hatte, wurde der Arztraum anfangs als Gymnastikraum genutzt. Im Sommer konnte ein Kleinsportplatz vor der Schule für den Sportunterricht verwendet werden. Sollte noch mehr Bedarf bestehen, konnten – solange keine eigene Turnhalle vorhanden war – die Turnhallen der umliegenden Schulen mit benutzt werden.

Insgesamt sei die Schule modern, hell und ein wenig verspielt, wie das Wiesbadener Tagblatt feststellte. „Ihr allergrößter Pluspunkt allerdings ist die Tatsache, dass von gestern [Tag der Einweihung, d.V.] an nach zehn Jahren Notbehelf endlich der bisher noch in der Lehrstraßen-Schule herrschende ´totale Schichtunterricht´ ein Ende fand“.

Was beim Einzug der Schüler noch offen war, waren Kleinigkeiten: Die Grünanlage war zum Beispiel nicht komplett fertig und auch ein Telefon fehlte im Schulgebäude noch. Wollten Lehrer oder Rektor Kontakt zur Außenwelt herstellen, mussten die Schüler mithelfen: „so wird der Rektor fürs Erste ein paar Jungen als ´Läufer´ einteilen müssen, die zwischen neuer und alter Schule hin- und herpendeln“, so die Vermutung der Wiesbadener Presse.

Aber auch an die Schüler wurde gedacht. Um die Leistungen der Schüler durch den Umzug in eine neue Schule nicht mehr als nötig zu beeinträchtigen, wurden ganze Klassen der Lehrstraßenschule mitsamt den dazugehörigen Lehrern an die Johannes-Maaß-Schule übergesiedelt.

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